Ein Headcrash der Festplatte und die Folgen

Unter einem Headcrash der Festplatte versteht man eine Beschädigung der Oberflächen der Magnetscheiben die durch einen Kontakt der Schreib-/ Leseeinheit innerhalb der HDD hervorgerufen wurde. Hierfür verantwortlich zeichnet sich in der Regel jede Art der Erschütterung und zudem auch Materialverschleiß. Beim Verschleiß des Materials lösen sich kleinste Partikel aus der Oberflächenbeschichtung der Magnetscheiben und geraten im Zuge der Zeit dann irgendwann zwischen die rotierenden Scheiben und der Schreib-/ Leseeinheit. Durch diesen Kontakt entsteht Reibung und hierdurch werden dann erneut kleinere Partikel aus der Beschichtung herausgelöst. Die Datenrettung bezeichnet diesen Effekt als "Domino Effekt", da sich die Anzahl, das Risiko und die Wahrscheinlichkeit erneuter Partikelkontakte in relativ kurzer Zeit stark potenziert. 

Welche Folgen hat es wenn eine Festplatte vom Tisch fällt oder stürzt ?

Ferromagnetische Festplatten arbeiten komplett kontaktfrei. Eine Erschütterung des Laufwerks zieht bringt häufig folgende Konsequenzen mit sich:

  • Beschädigungen an den mechanischen Komponenten innerhalb des Spindelmotors
  • Durch Erschütterung schlägt die Schreib-/ Leseeinheit auf den Scheiben auf während diese noch rotieren. Durch die Reibung wird Hitze erzeugt un in der Folge verkleben die Köpfe (Headkit) mit dem Lubrikant. Das Lubrikant widerum ist eine dünne Beschichtung die zum Schutz auf den Magnetscheiben liegt. 
  • Headkits der Platte können nach Erschütterung brechen oder sich verbiegen. Nach einem Bruch, können die abgebrochenen Teile weitere Schäden an den Scheiben verursachen. 
  • Köpfe liegen auf und schleifen über die rotierenden Magnetscheiben - Sehr schwere Beschädigung der Scheiben und der Köpfe selbst sind hierbei die Regel

Welche Folgen hat ein Headcrash für die Datenrettung ?

Mehrere Faktoren setzen hier ein Bild zusammen: Festplatten arbeiten kontaktfrei, was bedeutet, dass die Schreib-/ Leseeinheit auf einem Luftkissen, nur wenige Nanometer über den rotierenden Magnetscheiben, schwebt. Dieses Lufkissen bildet sich aus der Umdrehungsgeschwindigkeit der Magnetscheiben heraus. Ein Headcrash muss nicht immer auf einen Sturz zurückzuführen sein, mitunter kann es auch vorkommen, dass die Platte die Rotationsgeschwindigkeiten nicht korrekt ausgleicht und in solchen Fällen wird das Luftkissen inkonsistent oder verschwindet komplett. Im Falle einer Erschütterung oder in Fällen in denen das Luftkissen die Köpfe nicht mehr trägt, geraten die Köpfe (head) der Schreib-/ Leseeinheit mit den rotierenden Scheiben in Kontakt (crash) und es werden mikroskopisch kleine Partikel aus der Beschichtung herausgelöst.

Zum besseren Verständnis, dann man einen Headcrash gut mit einer glatten Sandfläche vergleichen in die man einen Stein wirft. An dem Punkt an dem der Stein aufschlägt entsteht um die Aufschlagsfläche ein Krater.

Frau die an einem Büroarbeitsplatz sitz und bei der eine mobile Festplatte versehentlich von Tisch fällt

Untersucht man diese "Krater" in der Folge unter einem Mikroskop, so stellt man fest, dass diese Krater unterschiedliche größen und höhen aufweisen. Sind diese Kraterhöhen nun größe als die Höhe in der die Schreib-/Leseeinheit schwebt, so entstehen bei jedem weiteren Einleseversuch oder Datenzugriff an exakt an dieser Stelle des Headcrashs neue Schäden und zwar sowohl an den Flächen der Scheiben, als auch an den Flächen der Schreib-/Leseeköpfe selbst.

Headcrash - Steigende Datendichte erschwert die Rettung

Festplattentechnologie wird immer komplexer, was daran liegt, dass die Datendichte immer weiter erhöht wird und die physikalischen Flächen der Schreib-/ Leseeinheit in Relation hierzu sich jedoch nicht im gleichen Maße verkleinert haben. Deswegen betrifft eine physikalische Beschädigung, in Form eines Headcrash der Magnetscheiben, eine wesentlich höhere Anzahl von Sektoren, als es noch bei älteren Festplatten der Fall war. Auch das Risiko von Folgeschäden, ausgelöst durch falsche Vorgehensweisen bei der Do-It-Yourself Datenrettung von Festplatten, steigt insbesondere bei neueren Festplatten mit einer höheren Datendichte überproportional stark an.

Weitere Informationen: Steigende Datendichte wird zum Problem bei der Datenrettung

Freeware zur Datenrettung verstärkt bestehenden Schäden bei einem Headcrash der Festplatte

Nur selten erhalten Labore Datenträger die direkt nach dem Auftreten eines Defekts der Festplatte ausgeschaltet wurden und auch ausgeschaltet blieben. Häufig versuchen Kunden dennoch auf irgendeine Weise auf die Daten zuzugreifen, z.B. indem sie eine Freeware zur Datenrettung über den defekten Datenträger laufen lassen und somit, aufgrund von Unkenntnis, das vorhandene Schadensbild des Headcrashs sogar noch verschlimmern. Insbesondere bei modernen Ferro-Magnet Festplatten kann dies mitunter schnell zu einer Nicht-Rettbarkeit des defekten Datenträgers führen, bei dem dann auch ein Labor nicht mehr weiterhelfen kann. 

Weitere Informationen: Vorurteile und Mythen bei der Do-It-Yourself Datenrettung

Nach einem Headcrash an neueren Festplatten ist die richtige Verhaltensweise des Kunden maßgeblich und mit entscheidend für den späteren Erfolg durch das Labor. Labore zur Datenrettung, zumindest die führenden, orientieren sich an bestimmten industriellen Standards, hinsichtlich Ihrer technologischen Ausstattung . Die Bekanntgabe von Erfolgsquoten >90% sind hierbei nichts weiter als reine Marketingfloskeln, die mit der Realität so gut wie gar nichts zu tun haben. Die Rettung von beschädigten Datenträgern hat physikalische Grenzen. Häufig ist immer etwas rettbar, ob es dann für den Kunden auch nutzbar und anwendbar ist, ist hierbei oft eine komplett andere Frage. Und genau aus diesem Blickwinkel gilt es eine Erfolgsquote zu betrachten, denn unter diesem Aspekt, relativiert sich diese sehr schnell.

230-fache Vergrößerung der Beschädigung / Headcrash einer Magnetscheibe

Nachdem ein Headcrash bestimmte Bereiche einer Festplatte schwerwiegend beschädigt hat, werden auch die Daten- oder besser Datenfragmente, die in diesen beschädigten Sektoren liegen, nicht oder nur teilweise rekonstruierbar sein. Abhängig davon wo diese Beschädigungen auf der Festplatte positioniert sind, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf das spätere Rettungsergebnis. Festplatten verfügen über Bereiche die beim Zugriff auf die Daten häufiger und weniger stark frequentiert werden. Jede Funktion, die dazu dient Daten zu organisieren, indexieren und zu "registrieren, bzw. zu adressieren" wird immer wesentlich häufiger frequentiert als klassische Bereiche der Festplatte in denen Anwender Ihre Daten speichern. Somit ensteht bei einem Headcrash natürlich auch die Frage nach dem Zustand der Festplatte in dem Moment als der Ausfall der Platte aufgetreten ist. Neben der Schwere des Schadensbildes eines Headcrash hat somit auch die Positionierung der Schäden auf den Magnetscheiben einen mittelbaren Einfluss auf spätere Wiederherstellungsmöglichkeiten und die Datenkonsistenz der geretteten Daten.

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Datenrettung ist ein komplizierter und beratungsintensiver Prozess. Wir beraten Sie gerne telefonisch unter Tel. 0043 - 1 317 69 40.
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